Arbeitstitel
Ein armer Kaminkehrer, die Verlorenen und ein Kardinal
Schauspiel in drei Akten

von Günther Drutschmann

1. Fassung (handschriftlich: 26. Dezember 2016

Alles befindet sich im Aufbau.


Bildfolge:

Vorwort

Erster Akt: Eine Lichtgestalt


1. Bild: Kindheit und Jugend
1. Szene: In der Küche
2. Szene: In der Schule
3. Szene: In der Kirche
2. Bild: Wanderjahre
1. Szene: Ein fleißiger Kaminkehrer
2. Szene: Aloysiusgesellschaft
3. Bild: Die Sendung
1. Szene: Der Domherr
2. Szene: Hohe Herrschaften
4. Bild: Vollendung
1. Szene: Das Krankenzimmer
2. Szene: Der Tod

Zweiter Akt: Die Verlorenen


5. Bild: Die Anstalt
1. Szene: Im Schlafsaal
2. Szene: Verbotenes
6. Bild: Düstere Schatten
1. Szene: Br Aloysius und sein Oberer
2. Szene: Der Chefarzt und der General
3. Szene: Ein besorgter Vater
4. Szene
7. Bild: Vollendung

Dritter Akt: Licht und Schatten


8. Bild: Der Gesellenvater

9. Bild: Der Bischof
1. Szene: Der Bischof und die weltliche Macht
2. Szene: Der Bischof und sein Freund, den päpstlichen Nuntius.

10. Bild: Der Streiter Gottes
1. Szene: Krieg, der Vater aller Dinge
2. Szene: Die Predigten
3. Szene: Wirkungen

 

11. Bild: Nachklang
1. Szene: Nachkriegszeit
2. Szene: Der Kardinal
3. Szene: Todesengel

 

Hauptgestalten:

Peter Friedhofen
Martha Friedhofen
Jakob Friedhofen
Frau Bach
Der Lehrer
Der Pfarrer
Bruder Karl
Domherr Ließ
Bischof Arnoldi
Kronprinzessin Augusta

Jakob Hemgesberg
Nikolaus Feller
Wilhelm Besslich
Josef Becker
Ein Chefarzt
Ein Ordensgeneral

Graf von Galen

Ein Sekretär
Pius XI.
Pius XII.
Ein berühmter Chirurg

Zeitgenossen aller Art
 


Vorwort

Am Beginn des Spiels sehen wir einen wirklichen barmherzigen Samariter, einen mutigen Anwalt der Armen und Kranken, vielleicht einer der letzten konsequenten Nachfolger Christi. Dazwischen tauchen als Bindeglieder einige arme Hunde auf, um die sich niemand schert.
   Das Ende des Spiels, hundertzwanzig Jahre später, markiert ein komischer Kauz. Er stellt auf seine Art ein spätes verzerrtes Spiegelbild unseres Samariters dar.

Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier präsentiert sich dem Betrachter als moderner funktioneller Gebäudekomplex, hell und freundlich anzusehen. In dem weitläufigen Areal befinden sich Einrichtungen der modernen Medizin und des Fortschritts. Man erkennt sogleich, dass hier viel Geld invertiert wurde, um einen hohen Standard zu erreichen und zu halten.
   Wenn wir durch die Gänge wandern, fällt uns das Bild eines jungen Mannes mit einem sympathischen Gesicht in Ordenstracht auf. Man spürt instinktiv, dass er irgendwie im Widerspruch zu der glänzenden Fassade der modernen Medizinfabrik steht. Der geschulte Leser errät sofort, um wen es sich handelt. Natürlich, es ist der Gründer der Kongregation, der selige Bruder Peter Friedhofen. Er ist der barmherzige Samariter und mit ihm beginnen wir das Spiel.

Die Handlungen aller auftretenden Personen, ob real oder fiktiv, sind frei erfunden.

1. Akt: Eine Lichtgestalt

1. Bild: Kindheit und Jugend

1. Szene: In der Küche

Wir befinden uns in einer geräumigen Küche eines Bauernhauses. Die Einrichtung ist einfach, fast schon ärmlich, aber die Sauberkeit überdeckt diesen Mangel. Das Herdfeuer flackert lustig an diesem trüben Wintervormittag. Davor steht eine Frau in den mittleren Jahren mit einem sympathischen Gesicht. Zu ihrer Seite ein junges Mädchen, Martha, vierzehn Jahre, am Tisch sitzt ein etwas älterer Junge. Alle tragen einfach, aber saubere Kleidung, der Junge im Gewand eines Kaminkehrers.

Frau Bach dreht sich vom Herd in den Raum: Nun Jakob, heute nicht auf Schicht?
Jakob Nein Frau Bach. Das Wetter ist zu schlecht. Der Meister schickte mich wieder heim.
Martha Du verdienst heut nichts. So ein Halsabschneider.
Frau Bach Aber Kind, was sind das für Worte. Ein ehrenwerter Hand- werker.
Jakob Bald habe ich ausgelernt und gehe auf Wanderschaft. Dann gibt es mehr Geld und ihr    habt einen Esser weniger.
Frau Bach seufzt: In einigen Jahren ist unser Peter auch so weit. Wie die Zeit vergeht.
Jakob grinsend: Dann bin ich Meister und nehme ihn unter meine Fittiche. Er geht bei mir    in    die Lehre. Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen.
Martha Das er bei dir in die Lehre geht?
Jakob Nein, dass ich Kaminkehrer werde. Mama wollte immer, dass ich Geistlicher werde.    Unser Pfarrer übrigens auch. Wurde aber nicht draus. No Pecunia.
Martha Lebten die Eltern noch, wäre vieles anders.
Jakob schüttelt den Kopf: Laß man. Nur die Reichen können sich alles leisten. Für uns Arme    bleibt wenig übrig. Die mieseste Arbeit.
Frau Bach Eure Eltern haben euch im christlichen Glauben erzogen. Sie wollten, dass ihr    fromm seid und der heiligen katholischen Kirche treu.
Martha Das sind wir auch Frau Bach. Und wir sind Ihnen so dank, dass Sie nach uns schauen.
Frau Bach geschmeichelt: Das versteht sich von selbst. Eure Mutter und ich waren gute Freundinnen. Ich erfülle damit eine Verpflichtung.
Jakob Unser Peter ist der Frömmste der Familie. Oder vielleicht du Martha?
Frau Bach Ja, der Peter ist wirklich ein frommer Bub. Wie andächtig und schön er betet und    die Kirchenlieder singt.
Die Geschwister nicken zustimmend.
Jakob Nächstes Jahr kommst du aus der Schule Martha. Was machst du Dann? Stellung gehen als Magd oder heiraten? Wie?
Martha gedehnt: Nee
Frau Bach Wie nee Martha? Du musst doch was arbeiten.
Martha Natürlich Frau Bach. Ich gehe zu den Armen Schwestern vom Kinde Jesu in die    Hauswirtschaft. Vielleicht trete ich später bei denen als Laienschwester ein. Ich habe mich    schon erkundigt. Es gefällt mir.
Frau Bach leicht erschrocken: Was Martha? Also, mir fehlen die Worte.
Jakob grinsend: Und wer ist nun in unserer Familie am frömmsten? Unsere neue heilige    Schwester Martha.
Martha schlägt ihm freundschaftlich auf die Schulter: Red keinen Unsinn schwarzer Mann.      Mama leitete uns alle zur Frömmigkeit an. Jedes von uns Kindern sollte das Beste daraus    machen. Außerdem hat Frau Bach recht. Unser Peter ist der frömmste und der  Intelligenteste. Aber Jäb hat auch recht. Es ist eine Schande, dass er nicht auf die höhere  Schule darf. Er könnte es schaffen. Er schreibt sehr schön und kann sich sehr gut  ausdrücken. Eigentlich zu gut für einen armen Buben aus einer ver armten Bauernfamilie.
Frau Bach Woher er das nur hat? Alle in eurer Familie waren Bauern und keine Studierten.    Wirklich ganz sonderbar. Fast ein Mirakel.
Jakob Den Seinen gibts der Herr im Schlaf.
Martha Dummer Schwätzer. Peter ist ein heller Kopf. Unsere Mutter war das auch. Oder  hast du das vergessen.
Jakob Natürlich nicht.
Frau Bach Zankt euch nicht Kinder. Unser Peter ist etwas Besonderes. Er hilft s

Ende der Leseprobe des 1. Akt

 

2. Akt: Die Verlorenen

5. Bild: Die Anstalt

1. Szene: Im Schlafsaal

In einem ungemütlichen Schlafsaal stehen vier Männer in Anstaltskleidung vor ihren Betten, daneben ein älterer Bruder im weißen Ordenskleid. Eine kurze Vorstellung geht dem weiteren Geschehen voraus.

1. Insasse Ich bin der Jakob und wurde 1869 geboren und der Älteste der Gruppe.
2. Insasse Ich heiße Nikolaus, aber alle nennen mich Niklas und 1898 geboren.
3. Insasse Mein Name ist Wilhelm und 1903 geboren.
4. Insasse Ich bin der Josef und 1874 geboren.
Bruder Ich bin der Bruder Aloysius und für diese Typen verantwortlich.

Die Männer lachen.

Jakob Er ist in Ordnung und schikaniert uns nicht. Das ist nicht bei allen so. Komm Aloysius, lass deinen Spruch ab, damit wir zum gemütlichen Teil des Abends übergehen können.
Br Aloysius lacht: Ihr Bäckerburschen und hässlichen Zwerge. Nun gut. Ich zitieren die Hausordnung: Jeden Morgen um sieben Uhr aufstehen, das Bett selbst in Ordnung bringen. Es ist verboten, sich mit den Kleidern aufs Bett zu legen. Das Kartenspiel um Geld und Alkohol sind verboten.

Aloysius grinst anzüglich und die anderen lachen. Er fährt fort.

Br. Aloysius Zur Visite des Chefs muss sich jeder Kranke am Fußende seines Bettes aufstellen. Abends um halb neun müssen alle in den Betten sein und es darf nicht mehr geredet werden.
Jakob Genau Aloysius. Halt drupp.
Br Aloysius lacht gutmütig: Kriegs gleich eins aufs Maul Jäb. Ihr könnt froh sein, dass ihr hier seit. Ihr habt einen geregelten Tagesablauf, reinliches Bett und Klamotten und hinreichendes Essen. Ihr wisst nicht, was inzwischen da draußen los ist.
Josef Das kannst du uns später erzählen.
Wilhelm Das interessiert mich auch.
Josef nachdenklich: Vielleicht komme ich ja bald hier raus.
Br Aloysius nickend: Möglich its.

2. Szene: Verbotenes

In einem Heizungskeller. Unsere Fünf von eben sitzen im Halbdunkeln um einen kleinen Tisch und spielen Karten. Bierflaschen stehen auf dem Tisch und Rauchwerk, also Taback, Zigarren und Zigaretten. Wenn der Vorhang sich öffnet, ist das Spiel in vollem Gange und man debattiert lautstark.

Br. Aloysius Nicht so laut Männer. Ihr weckt ja den ganzen Konvent auf.
Jakob Ruhig Blut alter Bruder. In dem Teil des Komplexes hört uns höchstens die Katze.
Br. Aloysius Wenn man uns erwischt, reißt man mir den Kopf ab. Los jäb, spiel endlich aus. Was hab ich für ein Scheißblatt.

Sie spielen eine Weile, trinken zwischendurch einen Schluck und ziehen an ihrem Rauchwerk. Der große schwere Kohlenkessel der Feuerung spendet Wärme und anheimelndes Licht.

Wilhelm Aloysius, du wolltest uns doch von draußen erzählen. Ich bin sehr gespannt. Ich kann es mir denken, denn es ist der Grund meines Hierseins.
Niklas Wieso?
Wilhelm Hast es wohl schon wieder vergessen. Ich half einem Juden, der in seinem Geschäft bedroht wurde. Die SA verprügelte und sperrte mich ein. Mein Chef, ein angesehener Rechtsanwalt und Notar erreichte, dass ich für verrückt erklärt und hierhin gebracht wurde.
Niklas Ach so. Hab ich wohl vergessen.

Alle lachen.

Jakob Wir haben alle vergessen, wo wie herkommen und was wir mal waren.
Niklas Was warst du denn?

Ende der Leseprobe des 2. Akt

 

3. Akt: Licht und Schatten

8. Bild: Der Gesellenvater

Ein großzügig angelegter Raum, an den Wänden Regale bis an die Decke. Ein Studierzimmer mit einem großen massiven Schreibtisch nebst Stühlen in der Mitte des Raumes. An der Wandseite sieht man ein Sofa mit einem Tischchen und zwei schönen Sesseln. Das gibt dem Ort eine gewisse Gemütlichkeit und nimmt ihm die Strenge. Neben dem Sofa korrespondiert ein großer Ofen. Der Boden ist mit erlesenen Teppichen ausgelegt.
Auf dem kleinen Tischchen gruppieren sich ein Aschenbecher und eine Zigarrentasche. Auf einer kleinen kredenze finden sich eine Karaffe mit Cognac nebst einige Flaschen Wein samt Gläser.
Es ist Abend und die elektrische Beleuchtung spendet ein warmes Licht. Ein junger Mann um die zwanzig, sehr schlank mit einem intelligenten etwas spitzbübischen Gesicht und in Zimmermannskluft, werkelt an den Regalen. Ein vornehmer junger Herr in Soutane und mit einem aristokratischen nicht unsympathischen Gesicht, vielleicht zehn Jahre älter als der Zimmermann, betritt den Raum. Der Schreiner schaut auf.

Schreiner: Guten Abend Herr Graf.
Graf: Albert, immer noch bei der Arbeit? Das hat bis morgen Zeit.
Albert: Ich lasse ungern eine Arbeit unvollendet zurück. Es ist mir eine Ehre, für den Präsens des Kolpingvereins in Berlin, Graf von Galen zu arbeiten.
Galen lacht: Laß den Grafen weg. Hochwürden genügt. Was bin ich dir schuldig mein Freund?
Albert: Nichts.
Galen: Das geht so nicht Albert. Du arbeitest den ganzen Nachmittag und verdienst einen Lohn.
Albert ruhig: Ich möchte nichts haben. Sie helfen mir bei meinen Studien und verlangen nichts dafür. Sie als hochadliger Kleriker kümmern sich um uns arme Handwerksgesellen und geben uns Bildung. Die Arbeit ist mein Lohn dafür.
Galen lächelt, denn er kann diesen jungen Schreiner gut leiden, der bildungshungrig ist und ein vorzüglicher Arbeiter: Setze dich wenigstens auf das Sofa und wir unterhalten uns bei einem guten Tropfen. Ich unterhalte mich gerne mit dir. Du bist intelligent und kannst dich hervorragend ausdrücken in Hochdeutsch. Ein Jammer, dass du nicht studieren kannst.
Albert lächelt und setzt sich: Wir waren dazu zu arm Hochwürden.

Galen nickt und schenkt Albert und sich die Gläser mit gutem Moselwein voll. Er nimmt eine Zigarre und beginn zu rauchen. Albert sitzt in aufrechter Haltung, trinkt einen Schluck Wein und schaut ehrerbietig auf den Grafen.

Galen: Ihr wart zu arm?
Albert: Ich wäre gerne Lehrer geworden, doch das ging nicht. Ich stamme aus einem kleinen Nest in Schlesien. Wir besaßen eine kleine Landwirtschaft, die hochverschuldet war. Der Vater starb früh. Er war Handelsjuden in die Hände gefallen, die Geld zu Wucherpreisen verliehen. Er kam aus den Schulden nicht heraus.
Galen nickt: Die Juden haben viele ins Unglück gebracht.
Albert: Diese Handelsjuden sind Halsabschneider und außerdem haben die Juden unseren Herrn Jesus ans Kreuz geschlagen.
Galen: So ist es. Es war bei euch eine arme und schlimme Zeit.
Albert: Die Juden haben unseren Herrn Jesus verraten. Es gibt noch andere Verräter, nämlich die Sozialisten und Kommunisten. Das sind gott- und vaterlandslose Gesellen.
Galen: Das stimmt. Von denen ist nichts Gutes zu erwarten.
Albert: Es sind Rattenfänger. Die Menschen laufen ihnen nach, weil so viel Armut im Lande herrscht. Er lächelt fein. Sind Sie mit bitte nicht böse Hochwürden. Sie sind ein guter Mensch und schauen nicht herablassend auf die armen Leute. Doch Sie tragen einen feinen Rock und stammen aus den ersten Kreisen. Diese haben für uns nichts übrig. Deshalb laufen die armen Leute den Sozis nach. Der Staat tut nichts. Zudem haben im protestantischen Preußen wir Katholiken sowieso nichts zu melden.

Ende der Leseprobe